Silvia Alaura

2. April 1966

 

Die italienische Hethitologin und Vorderasiatische Archäologin Silvia Alaura wurde in Florenz geboren und entstammt einer alten traditionsreichen florentinischen Familie. In ihrer Heimatstadt verbrachte sie ihre Kindheit. Sie besuchte das Humanistische Gymnasium Michelangiolo und schloss ihre schulische Ausbildung mit dem Abitur (Diploma di maturità classica) ab. Während ihrer Schulzeit erwachte das Interesse an alter Geschichte und alten Sprachen.


1985 begann Silvia Alaura in Florenz das Studium der Vorderasiatischen Archäologie und Philologie unter anderem bei P. E. Pecorella, F. Imparati und F. Pecchioli-Daddi. Ihre Beschäftigung mit dem Hethitern geht auf eben diese Jahre zurück. Im Jahre 1993 schloss Silvia Alaura das Studium mit dem Magisterexamen (tesi di laurea) erfolgreich mit einer Arbeit über „Die Keramik der mittleren Bronze-Zeit im inneren Anatolien”, italienischer Originaltitel „La ceramica dell’età del Bronzo Medio nell’Anatolia interna“, ab.


Schon ab dem Jahre 1986 sammelte sie erste Erfahrungen in der archäologischen Feldarbeit und nahm an den Ausgrabungen der etruskischen Siedlung am Lago dell’Accesa-Massa Marittima (Provinz Grosseto) durch die archäologische Mission der Universität Florenz teil. Neben den Arbeiten an der Ausgrabungsstelle vor Ort hat Silvia Alaura u.a. an der Restaurierung und Katalogisierung des dort gefundenen Materials mitgearbeitet. Auf die Jahre 1989 und 1990 geht ihre Teilnahme an den Grabungen der archäologischen Mission der Universität Florenz in Tell Barri (Nordsyrien) zurück. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Computerregistrierung der im Laufe der Ausgrabungen gefundenen Keramik.


Im akademischen Jahr 1993/94 absolvierte Silvia Alaura an der Universität Pisa die Kurse der Fachausbildung in Archäologie (Scuola di Specializzazione in Archeologia) mit Ablegung der entsprechenden Abschlussprüfungen. Zu den akademischen Lehrerinnen bzw. Lehrern gehörten  u.a. S. Mazzoni und G. Del Monte. In Pisa hat Silvia Alaura bei G. Del Monte ihre Kenntnis der Hethitologie vertieft sowie an der Grabungskampagne der archäologischen Mission der Universität Pisa in Tell Afis (Nordsyrien) unter der Leitung von S. Mazzoni teilgenommen.  


Von Jahr 1994 an, nahm sie am Promotionskurs (dottorato di ricerca) der Universität Florenz in Philologie und Geschichte des Altertums, ägäische und anatolische Kultur teil und schloss 1997 mit der Arbeit „Die Textsammlung des “Gebäudes E” von Büyükkale-Boğazköy”, italienischer Titel „Il deposito di testi dell’“Edificio E”di Büyükkale-Boğazköy“, erfolgreich ab. Diese Arbeit wurde von A. Archi betreut. Zu ihren Kommilitonen zählte in jener Zeit Mauro Giorgieri.


Während dieser Zeit, ab den frühen 1990er Jahren, arbeitete Silvia Alaura gleichzeitig in der Didaktischen Abteilung der Gesellschaft „Amici dei Musei Fiorentini” mit. Dabei handelt es sich um eine kulturell orientierte Gesellschaft. Zu ihren Aufgaben gehörte die Lehrtätigkeit an Schulen und in den archäologischen Museen zu Florenz. Außerdem engagiert sie sich in der Gesellschaft „Città Nascosta” und unterstützt diese bei der wissenschaftlichen Beratung und Kulturbetreuung für die Reisen in die Türkei.


Von 1998 bis 2000 war Silvia Alaura als Stipendiatin des DAAD (1998) und der „Gerda Henkel Stiftung” (1999-2000) Gast am Altorientalischen Seminar der Freien Universität Berlin. Dort hat sie ihre Kenntnisse der Altanatolistik bei V. Haas vertieft und sich intensiver bei I. Wegner mit dem Hurritischen befasst. Darüber hinaus hat sie im Vorderasiatischen Museen zu Berlin geforscht, d.h. Dokumente fachgeschichtlicher Art gesichtet und ausgewertet, z.B. die in Berlin erhaltenen Informationen über die frühen Ausgrabungen in Boğazköy.


Seit 2002 ist Silvia Alaura Inhaberin einer Forschungsstelle am CNR-ICEVO (Consiglio Nazionale delle Ricerche - Istituto di Studi sulle Civiltà dell’Egeo e del Vicino Oriente) in Rom. Zu den Schwerpunkten ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit gehören die Themen der hethitischen Kultur, so z.B. „Gesten und Gebärden der Hethiter“ oder „Archive und Bibliotheken in Hattuša" und  die Wissenschaftsgeschichte des Faches, die sie in mehreren Arbeiten erhellt hat u.a. in der Monografie „Nach Boghasköy!” Zur Vorgeschichte der Ausgrabungen in Boğazköy-Hattuša und zu den archäologischen Forschungen bis zum Ersten Weltkrieg. Darstellung und Dokumente  (13.  Sendschrift DOG, Berlin 2006).


Silvia Alaura ist Mitglied der Deutschen Orient–Gesellschaft.


Abseits der fachlichen Interessen ist Silvia Alaura eine leidenschaftliche Reiterin und entspannt bei Yoga-Übungen.  Sie reist gerne und hat schon diverse Reisen in den Vorderen Orient und nach Indien gemacht.



WISSENSCHAFTLICHE VERÖFFENTLICHUNGEN



A) Bücher


„Nach Boghasköy!” Zur Vorgeschichte der Ausgrabungen in Boğazköy-Hattuša und zu den archäologischen Forschungen bis zum Ersten Weltkrieg. Darstellung und Dokumente  (13.Sendschrift DOG). Berlin 2006. 259 Seiten, 7 Taf., 53 Abb.


B) Zeitschriften und Buchbeiträge


Die Identifizierung der im „Gebäude E” von Büyükkale-Bogazköy gefundenen Tontafelfragmente aus der Grabung von 1933, AoF 25/2, Berlin 1998, 193-214.


Due testi oracolari sulla „malattia degli occhi” di Hattušili III, in S. de Martino, F. Imparati (cur.), Studi e Testi II (Eothen 10), Firenze 1999, 7-28.


Besprechung des Buches von Th. P.J. van den Hout, The Purity of Kingship: An Edition of CTH 569 and Related Hittite Oracle Inquiries of Tuthaliya IV, Leiden 1998, in OLZ 94/4-5, Berlin 1999, 484-494.


Überlegungen zur Bedeutung der Fundumstände einer fragmentarischen Stierfigur aus den Winckler’schen Grabungen in Boghazköy-Hattuša, in Th. Richter, D. Prechel, J. Klinger (Hrsg.), Kulturgeschichten. Altorientalische Studien für V. Haas zum 65. Geburtstag, Saarbrücken 2001, 1-17.


La prima trattativa diplomatica dei „Musei reali di Berlino” per una concessione di scavo a Boghazköy, in S. de Martino, F. Pecchioli Daddi (cur.), Anatolia Antica. Studi in memoria di F. Imparati (Eothen 11), Firenze 2002, 23-46.


Osservazioni sui luoghi di ritrovamento dei trattati internazionali a Boghazköy-Hattuša, in D. Groddek, S. Rössle (Hrsg.), šarnikzel. Hethitologische Studien zum Gedenken an E. O. Forrer, Dresden 2004, 139-147.



Besprechung des Buches von G. Torri, Lelwani. Il culto di una dea ittita, Roma 1999, in OLZ 99/2, Berlin 2004, 201-207.


Besprechung des Buches von D. Bawanipeck, Die Rituale der Auguren (Texte der Hethiter 25), Heidelberg 2005, in SMEA 48, 2006, 307-313.


Otto Puchstein und Sendjirli (Zincirli), in D. Groddek, M. Zorman (Hrsg.), Tabularia Hethaeorum, Hethitologische Beiträge Silvin Košak zum 65. Geburtstag (DBH 25), Wiesbaden 2007, 13-31.


Gesten der Verzweiflung in den hethitischen mythologischen Texten, AoF 34/1, Berlin 2007, 149-153.


Besprechung des Buches von R. Oberheid, Emil O. Forrer und die Anfänge der Hethitologie. Eine wissenschaftshistorische Biografie. Berlin-New York 2007, in Bibliotheca Orientalis, in Vorbereitung.


Die Briefe von O. Puchstein an A. Erman aus den Jahren 1885-1886, in Vorbereitung.


Il significato dell’espressione „vedere con gli occhi“ in ittita, in Vorbereitung.


C) Veröffentlichte Konferenzbeiträge


Archive und Bibliotheken in Hattuša, in G. Wilhelm (Hrsg.), Akten des IV. Internationalen Kongresses für Hethitologie (StBoT 45), Wiesbaden 2001, 12-26.


Fleh- und Unterwerfungsgesten in den hethitischen Texten, AoF 32/2, Berlin 2005, 375-385.


Un esempio di comunicazione non verbale nei testi ittiti: il cenno con gli occhi, in A. Archi, R. Francia (curr.), Atti VI Congresso internazionale di Ittitologia I (Roma, 5-9 settembre 2005), SMEA 49, 2007, 21-29. 

  

D) Übersetzungen


Italienische Übersetzung des Buches von A. Mazzanti (Hrsg.), “Il Giardino di Daniel Spoerri” Katalog zur Austellung “Die Künstler des „Giardino” von Daniel Spoerri” (Maschietto&Musolino ed.), Firenze-Siena 1998.