Kurt Bittel

5. April 1907  – 30. Januar 1991

 

Kurt BIttel wurde in Heidenheim als Sohn des Bankdirektors Emil Bittel und seiner Frau Berta, geb. Pfennig geboren und wuchs dort auf. In seiner Heimatstadt schloss er seine schulische Ausbildung 1926 ab. Nach einer langen und erfolgreichen Karriere kehrte er nach seiner Emeritierung in seine Geburtsstadt zurück, wo er 30. Januar 1991 starb.

Als Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und Ausgräber der hethitischen Königsstadt Hattusa hat er sich große Verdienste und internationale Anerkennung erworben. Im Alter von nur 13 Jahren unternahm er seine ersten Ausgrabungen an einem Grabhügel bei Oggenhausen. Mit 22 Jahren promovierte er bei Gero von Merhart über die Kelten in Württemberg.


Bittel studierte in Heidelberg, Berlin, Wien und Marbach a.d. Lahn die Fächer Urgeschichte, Klassische Archäologie und Alte Geschichte. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten u.a. Oswald Menghin  und Rudolf Egger in Wien.


Ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts führte ihn danach erstmals nach Hattusa, nachdem er zuvor in Ägypten wichtige Felderfahrungen sammeln konnte. Trotz seiner Jugend wurde Bittel 1931 für die Leitung der wichtigen Grabung in Boghazköi ausersehen. Die Deutsche Orientgesellschaft hatte bereits 1906 / 1907 dort mit Hugo Winckler erfolgreich gegraben und auch 1911/1912. Die Wiederaufnahme der Grabung unter deutscher Federführung war ein seit Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verfolgtes Ziel der DOG.


1933 wurde Bittel Referent und 1938 erster Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Istanbul. Von 1931 bis 1977 war er Ausgrabungsleiter in der früheren Hauptstadt der Hethiter und trug mit seinen Ergebnissen erheblich zur Erforschung der hethitischen Geschichte und Kultur bei. 1946 übernahm Bittel die Professur für Vor- und Frühgeschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, von wo aus er 1950 gemeinsam mit Adolf Rieth und Wolfgang Kimmig die Grabungen an der hallstattzeitlichen Heuneburg begann. 1951 kehrte Bittel aber in die Türkei zurück und 1952 entdeckte er Daskyleion bei Bandirma.


Von 1960 bis 1972 war er erster Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts. Am 30. Januar 1991 verstarb Kurt Bittel in seiner Heimatstadt Heidenheim, die ihn zu ihrem Ehrenbürger gemacht hat. Seit 1989 vergibt die Stadt Heidenheim den Kurt-Bittel-Preis für Süddeutsche Altertumskunde, mit dem alle zwei Jahre herausragende Forschungsleistungen im Bereich der Vor- und Frühgeschichte Süddeutschlands ausgezeichnet werden.


Kurt Bittel war ordentliches Mitglied der Akademien in Mainz und Heidelberg sowie korrespondierendes Mitglied der Bayrischen, Britischen, Irischen und Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Ehrenmitglied der Türk Tarih Kurumu.


Nachruf

Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 142. Jahrgang, 1991/92 , p. 401-405