Louis Delaporte

22. Oktober 1874 – Februar 1944

 


Louis Delaporte, der Beründer der französischen Hethitologie wurde im nordfranzösischen Saint-Hilaire-du-Harcouet, in der Nähe von Avranches, geboren. Seine Ausbildung hatte zunächst keinerlei Berührungspunkte mit den altorientalischen Disziplinen sondern war seit der Gymnasialzeit auf die Mathematik ausgerichtet. Er erreichte den auf das Lehramt ausgerichteten Abschluss eines Lizentiaten. 1901 im Alter von 27 Jahren entdeckte Louis Delaporte sein Interesse für die Sprachen und die Grammatik und hier vor allem für die Sprachen des Alten Testamentes. Dabei arbeitete er sich sowohl in die Assyriologie ein wie auch in die Vorderasiatische Archäologie, so dass er 1904 eine Mission in den Libanon nach Charfé begleitete.


Zunächst lag das Hauptaugenmerk seines wissenschaftlichen Wirkens auf assyriologischem Terrain. Seine Name steht auch für die Erforschung der altorientalischen Glyptik, denn Delaporte machte sich 1909 mit der Bearbeitung der Siegelzylinder und Stempelsiegel des Musée Guimet sowie des Musée historique de l'Orléanais einen Namen. 1910 erfolgte eine populärwissenschaftliche Einführung La Glyptique de l'Assyrie.


Als 1915 die Erforschung des Hethitischen und der Hethiter ihren Anfang nahm und rasch in Deutschland zu einem neuen Zweig der Altorientalistik wurde, war es Delaporte, der sich mit diesem bisherigen Randgebiet der Assyriologie und der Indogermanistik befasste und der Hethitologie den Weg nach Frankreich ebnete. Auf der Grundlage der Arbeiten von Hrozny, Sommer, Forrer, Friedrich und Goetze erschloss sich Delaporte das Hethitische und gab in Zeit von 1929-1993 das vierteilige Manuel de langue hittite heraus, das erste Standardwerk zum Hethitischen in französischer Sprache. 1930 erfolgte der wohl wichtigste Schritt zur Etablierung der Hethitologie in der französischen wissenschaftlichen Welt, die Gründung der Societé des études hittites et asianiques der Veröffentlichungsorgan die Revue des hittites et asianique alsbald zum zentralen französischen Publikationsorgan hethitologischer Forschung wurde. Den Vorsitz der Gesellschaft und die Schriftleitung hatte Delaporte bis zu seinem Tode inne.


1931 unternahm Delaporte eine eigene archäologische Kampagne am Has-Höyük in Kleinasien sowie drei weiteren Unternehmungen am Arslan Tepe in der Nähe von Malatia (1933, 1934, 1938, 1939). Die Früchte seiner Forschungen, die Delaporte in zahlreichen Beiträgen Einzelbeiträgen über die Jahre publizierte, fasste er 1936 in seinem Werk Les Hittites zusammen. Aus seiner Feder stammen aber so bedeutende Werke, wie La Mésopotamie (1923), Die Babylonier, Assyrer, Perser und Phöniker (1933, Les peuples de L'Orient méditeranéen (1938), L'Iran antique (1943). Delaport hat in seinem Schaffen die ganze sprachliche und kulturhistorische Bandbreite der Altorientalistik seiner Zeit vertreten und mit seinen Veröffentlichungen auch stets den interessierten Laienkreis im Blick gehabt. Ein vollständiges Verzeichnis der Schriften von Louis Delaporte findet sich in RHA Fasc. 44, (1944/45), p. 3-8.


Louis Delaporte wirkte als Professor für Assyriologie und Hethitologie am Institut catholique in Paris. Am 19. Mai 1942 wurde Delaporte von der deutschen Besatzungspolizisten ohne Angabe von Gründen verhaftet. Auch offizielle Anstrengungen von französischer wie von türkischer Seite konnten eine Freilassung Delaports nicht bewirken. Im Februar 1944 starb Delaporte im schlesischen Wohlau  unter mysteriösen Umständen. Wie dem Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß §42 Abs. 2 BEG zu entnehmen ist, unterhielt die SS einen Außenposten des Konzentrationslagers Groß Rosen in Wohlau, gelistet als Lager Nr. 329 Dyhernfurth I, Kreis Wohlau, Niederschlesien. Die im Nachruf von Ernst Weidner AfO 16, 1945, p. 181 genannten "tragischen Umstände" des Todes dieses großen französischen Wissenschaftlers, sind wohl dahingehend zu präzisieren, dass Delaporte in einem deutschen Konzentrationslager den Tod fand. Die Todesursache ist unbekannt.


Nachrufe:

RHA Fasc. 44, (1944/45), p. 3-8.

AfO 16, 1945, p. 181-182