Elmar Edel
12. März 1914 – 25, April 1997
Elmar Edel wurde 1914 in Ludwigshafen als Sohn des Reichsbahningenieurs Eduard Edel geboren. Das humanistische Gymnasium besuchte er in Würzburg. Dort erwachte bereits früh sein Interesse an den Schriften und Sprachen des Alten Orients, so dass er schon als Gymnasiast mit dem Selbststudium der ägyptischen Hieroglyphen und der Keilschrift begann. Nach dem Abitur begann er konsequenterweise das Studium der Ägyptologie bei Hermann Ranke in Heidelberg, wechselte aber schon 1934 nach Berlin zu Hermann Grapow und Kurt Sethe. Grapow war es dann auch, der Edel alsbald in seinen Mitarbeiterstab für das Berliner Ägyptische Wörterbuch aufnahm. Das breitere Interesse am Alten Orient blieb Elmar Edel und so besuchte er auch bei Hans Ehelolf die Hethitisch Seminare und stieg mit seinem zweiten Hauptfach in die gerade einmal ein Jahrzehnt andauernde Forschung an den hethitischen Texten ein. Dort studierte u.a. mit Heinrich Otten, Sedat Alp und Ekrem Akurgal.
Sein Studium wurde in der Zeit von 1935 bis 1937 durch den Arbeits- und Wehrdienst unterbrochen, so dass Edel erst 1937 wieder intensiv mit dem Forschen beginnen konnte. Er erhielt aber sofort die Möglichkeit, vermittelt durch Hans Ehelolf, für die Deutsche Orientgesellschaft hethtitische Texte im Rahmen eines Werkvertrages in der Vorderasiatischen Abteilung der Berliner Museen zu bearbeiten und Transkriptionen anzufertigen. Elmar Edel wirkte somit im Zentrum der Hethitologie, im sog. "Schuppen", der seit der Herauskristallisierung des Faches als eigenständiger Zweig der Altorientalistik so etwas wie die Kaderschmiede der Hethitologie darstellte. Dort hatten bereits Forrer, Ehelolf, Güterbock und auch Otten gearbeitet.
Im Rahmen dieser Tätigkeit, die das ständig nach Berlin zufließende aktuelle Inschriftenmaterial aus Boghazköi auswertete, kam Edel zum ersten Male mit Texten in Berührung, die seine beiden Disziplinen berührten; die Ägyptologie und Hethitologie. Er bekam Dokumente zu lesen, die im Zweiten vorchristlichen Jahrtausend von Ägypten nach Hattusa geschickt wurde, die ägyptisch - hethitische Korrespondenz. Elmar Edel hatte somit ein Arbeitsfeld gefunden, dass seine beiden Forschungsinteressen ideal verband und ihn bis zu seinem Tode beschäftigte und dass er wie kein Zweiter beherrschen sollte.
Seine Studien wurden durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterbrochen, jedoch war es Edel möglich, während seiner Militärzeit am 16. Mai 1941 mit seiner Dissertation Untersuchungen zur Phraseologie der ägyptischen Inschriften des Alten Reiches bei Herman Grapow zu promovieren. Nach dem Ende des Krieges kehrte Edel nach Heidelberg zurück und habilitierte bei seinem ersten akademischen Lehrer Hermann Ranke mit der Arbeit Grammatik der Sprache des Alten Reiches. Aus dieser Habilitationsschrift entstand in den folgenden Jahren das grundlegende Werk der Ägyptologie Altägyptische Grammatik, das noch heute zu den Standardwerken der Wissenschaft gehört (erschienen 1955, Analecta Orientalia 34, Rom 1955)
Motiviert durch seine erste Ägyptenreise, die sich das Ziel verfolgte, bisher unpubliziertes Inschriftenmaterial der Veröffentlichung zugänglich zu machen, brachte Edel zahlreiche und bisweilen umfangreiche Aufsätze zum Inschriftenmaterial des Alten Reiches in der Zeitschrift für ägyptische Sprache heraus.
Aber auch seine hethitologischen Untersuchungen ruhten während dieser Jahre nicht. 1948 hatte Elmar Edel einen grundlegenden Aufsatz zu dem ägyptischen Namenmaterial in Boghazköi-Texten veröffentlicht (Neue keilschriftliche Umschreibungen ägyptischer Namen aus den Boghazköi-Texten, in: JNES 7, 1948, p. 11 - 24). Auch in den folgenden Jahren veröffentlichte Edel trotz seiner umfangreichen Arbeiten an der altägyptischen Grammatik sukzessive grundlegende hethitologisch orientierte Arbeiten, die sich sogar mit geografischen Einzelfragen beschäftigen. Zu erwähnen sind: KBo I 15+19, ein Brief Ramses' II mit einer Schilderung der Kadesschlacht, ZA 49 (1950), p. 195 –212; KUB III 63, ein Brief aus der Heiratskorrespondenz Ramses' II, JKlF 2 (1952/1953), p. 262 - 273; Zur historischen Geographie der Gegend von Kades, in ZA 50 (1952), p. 253 - 258).
Im Mai 1955 ging Elmar Edel nach Bonn, Nachfolge Hans Bonnet, zunächst als außerordentlicher und ab September 1963 als ordentlicher Professor. Obwohl Edel in dieser Zeit vor allem mit den schwierigen und schlecht erhaltenen alt- und mittelägyptischen Grabinschriften auf der Qubbet el Hawa bei Assuan stark beansprucht war, publizierte er immer wieder wichtige Beiträge zum ägyptisch-hethitischen Korrespondenz-Material (Der geplante Besuch Hattusilis II in Ägypten; MDOG 92 (1960), p. 15-20; Zur Schwurgötterliste des Hethitervertrages, in ZÄS 90 (1963), p. 31-35; Die Teilnehmer der ägyptisch-hethitischen Friedensgesellschaft im 21. Jahr des Ramses II, in OrNs 38 (1969), p. 177 - 186.
Durch seine Beschäftigung und umfangreiche Publikationstätigkeit zum hethitisch-ägyptischen Material, trug Edel in entscheidender Weise zu einer wachsenden Interdisziplinarität der beiden Fächer bei und seine Veröffentlichungen in ansonsten rein ägyptologisch orientierten Fachzeitschrift wie der Zeitschrift für Ägyptische Sprache. Er hat sich das Verdienst erworben, das wissenschaftliche Interesse der Ägyptologen wie Hethitologen gleichermaßen auf dieses spannende und wichtige Thema der Altorientalistik zu lenken.
Durch seine tiefgreifenden Kenntnisse sowohl des Ägyptischen wie auch des Akkadischen und Hethitischen war es Elmar Edel möglich, sehr spezielle Untersuchungen über vorderasiatische Fragestellungen anzustellen, vor allem was die Schreibung und Überlieferung von Orts- und Personennamen aus den vorderasiatischen Kulturkreisen anbelangte.
Auch in den folgenden Jahrzehnten publizierte Edel weitere große Bearbeitungen zu den ägyptisch-hethitisch Verbindungen, dies ich sich aus dem reichhaltigen Quellenmaterial sichern ließen. Vor allem seien hier genannt, Ägyptische Ärzte und ägyptische Medizin am hethitischen Königshof. Neue Fund von Keilschriftbriefen Ramses' II. aus Bogharköi, Opladen 1976: Die ägyptisch-hethitische Korrespondenz aus Boghazköi in babylonsicher und hethitischer Sprache, Opladen 1994; Der Vertrag zwischen Ramses II. von Ägypten und Hattusili III. von Hatti, Berlin 1997.
Elmar Edel betrachte die hethitologische Arbeit als "Fortsetzung der Ägyptologie mit anderen Mitteln" (Zitat aus dem Nachruf von Manfred Bietak s.u.) Und gerade für sein letztes Werk zum Ramses-Hattusili-Vertrag kann kann man dies nur unterstreichen, denn Edel fertigte nicht nur eine neue, verbesserte Abschrift der Karnak-Inschrift an, sondern er entdeckte im Museum von Ankara ein Randstück des Hethitervertrages, welches die akkadische Fassung (KBo I 7) ergänzen konnte. Er erschloss mit seinen Werken die wichtigen Quellen aus zwei großen Bereichen der Altorientalistik und führte diese an ihren Schnittpunkten virtuos zusammen.
Elmar Edel wart seit 1960 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Göttingen und ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. 1970 erfolgte die Wahl zum ordentlichen Mitglied der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften. 1977 wurde er zum korrespondierenden Mitglied des Institut d'Egypte, 1979 zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt. 1982 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Academia Mediterranea delle Scienze Catania.
1979 wurde Elmar Edel durch eine Festschrift Ägypten und das Alte Testament 1, hrsg. von Manfred Görg und Edgar Pusch, Bamberg von seinen Schülern und Kollegen geehrt.
Elmar Edel starb kurz nach seiner Gattin Angelika, geb. Knippel am 25. April 1997.
Nachruf
Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 147. Jahrgang, 1996/97, p. 661 - 669 (Manfed Bietak)