Hugo Heinrich Figulla
27. Dezember 1885 – 06. Februar 1969
Hugo Figulla stammt gebürtig aus dem kleinen Ort Loslau im Kreise Rybnik in Oberschlesien. Das Gymnasium besuchte er in Ratibor. Sein Studium nahm er zunächst an der Universität Berlin auf, wechselte dann aber zu Bruno Meissner nach Breslau und promovierte dort im Jahre 1911 mit der Arbeit Der Briefwechsel Belibnis. Historische Urkunden aus der Zeit Assurbanipals. Diese Arbeit erschien im Jahre 1912 in den Mitteilungen der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft (MVAG) als Band 17,1
Noch im gleichen Jahr 1912, gerade als Otto Weber Kustos der Vorderasiatischen Abteilung des Berliner Museums wurde, stieß der 27 jährige Figulla zu der kleinen Schar in Berlin forschender Keilschriftkundler, die dort an der Spitze der damaligen Forschung Texte kopierten und an den Originaltafeln arbeiteten. Insbesondere Otto Weber lenkte das Interesse des jungen Figulla auf die hethitischen Texte. 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges entsandte die Deutsche Orient Gesellschaft Figulla zusammen mit Hugo Winckler, der 1906/07 in der alten Hethiterhauptstadt Hattusa zusammen mit Theodor Makridi gegraben hatte, nach Konstantinopel um die dort befindlichen hethitischen Texte zu kopieren. Doch nach wenigen Monaten der Tätigkeit unterbrach der Weltkrieg die Arbeit.
Figulla kehrte nach Berlin zurück und widmete sich den Texten hethitischer Provenienz, die im Museum vorhanden waren. Otto aber beteiligte Figulla an der Herausgabe hethitischer Texte - zunächst in der Reihe Keilschrifttexte aus Boghazköi, wo er zusammen mit E. Weidner die Hefte 1,2 und mit Otto Weber Heft 3 fertigte. Nachdem diese Reihe eingestellt wurde arbeitete Figulla auch an der neuen Reihe Keilschrifturkunden aus Boghazköi mit. Von seiner Hand autorgaphiert wurden die Hefte 1, 2 und 11. Insgesamt war diesen Unternehmungen von 1916 bis 1923 verpflichtet.
In dieser Zeit wurde Figulla zum Leiter der Bibliothek des Seminars für Orientalische Sprachen in Berlin ernannt, einer neuen und vor allem den eigenen Unterhalt sichernden Aufgabe, die allerdings auch eine große neue berufliche Belastung mit sich brachte. Die wissenschaftlich Beschäftigung mit den Keilschrifttexten rückte daher in den Hintergrund.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges emigrierte H. Figulla zunächst in die Schweiz und kurz darauf nach Großbritannien. Das British Museum sicherte sich alsbald die Dienste des bekannten Assyriologen und stellte Figulla 1949 als wissenschaftlichen Mitarbeiter ein. Bis 1967 arbeitete Figulla dort und gab eine Reihe wertvoller Texteditionen heraus , wie z.B. zwei Bände der Reihe Ur Excavations (Band. IV; Business Texts of the New Babylonian Period und Band V; Letters and Documents of the Old-Babylonian Period. Mit dem namen H. Fihulla ist aber auch das Nachschlagewerk Catalogue of the Babylonian Tablets in the British Museum verbunden, das 1961 erschien.
Hugo Figulla verstarb am 06.02. 1969 in London im Alter von 83 Jahren.
Nachruf:
AfO 22, 1970, p.220 (E. Weidner)