Johannes Friedrich
27.August 1893 – 12. August 1972
Johannes Friedrich wurde 1893 in Leipzig geboren und nahm nach seiner dort absolvierten Schullaufbahn das Studium an der renommierten Leipziger Universität auf. 1916, also mitten im Ersten Weltkriege, promovierte er bei dem bekannten Indogermanisten Karl Brugmann. Der Titel seiner Dissertation lautete Diminutivbildungen mit nicht diminutiver Bedeutung besonders im Griechischen und Lateinischen.
Das altorientalische Rüstzeug erhielt Friedrich in der „Leipziger Schule“, vor allem von Heinrich Zimmern, aber später auch von Benno Landsberger. Die Habilitation erfolgte 1924 und 1929 erfolgte dann die Ernennung zum a.o. Professor und 1936 zum ordentlichen Professor für altorientalische Sprachen.
J. Friedrich beschäftige sich schon zu Beginn der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts mit dem gerade entschlüsselten Hethitischen und war maßgeblich am Aufbau der jungen Disziplin Hethitologie beteiligt. Er publizierte in diesen Jahren zahlreiche Arbeiten und Textbearbeitungen und half entscheidend mit die Hethitologie als philologische Disziplin auf ein gesichertes Fundament zu stellen. (Vgl. zum Schriftenverzeichnis W. Zaumseil, Festschrift für Johannes Friedrich zum 65. Geburtstag, 1959).
Seine -mitunter teilweise doch unrühmliche - Rolle in der sogenannten Ahhijawa-Streitfrage wurde bereits von O.Szemerényi, (Eothen 2, Fs. Pugliese Carratelli, 1988) beleuchtet. Dieser Streit, der ihn mitunter heftig mit E. Forrer zusammenstossen ließ, verschaffte Friedrich auch zeitweise das Image eines "harten" Kritikers. Einige seiner Kritikpunkte aus jener Zeit an Forrer musste er noch zu Lebzeiten bereits revidieren, was er auch stets offen und freimütig in seinen Publikationen tat. Erstaunlicherweise führte diese harte Kontroverse nicht zu einem Bruch in der beruflichen Beziehung zwischen Friedrich und Forrer, die noch über über viele Jahre eine freundschaftliche Korrespondenz pflegten.
Nachdem Friedrich 1935 den altorientalischen Lehrstuhl, nach dem erzwungen Rücktritt Landsbergers durch die Nationalsozialisten, vertreten hatte, wurde er am 30. April 1936 zum Ordinarius ernannt. Die Fachliteratur belegt, dass neben der fachlichen Eignung auch ideologische Überzeugungen eine Rolle gespielt haben.
1940 wurde Friedrich zum ordentlichen Mitglied der Sächsichen Akademie der Wissenschaften gewählt.
Von 1948 – 1949 stand er der Universität Leipzig als Rektor vor, ging aber 1950 an die Freie Universität Berlin, wo er neben der bereits mit einem Lehrstuhl und einem eigenen Institut etablierten Vorderasiatischen Archäologie nun auch die Altorientalische Philologie ausbauen konnte. Der Weggang aus Leipzig war auch der Tatsache geschuldet, dass Friedrich die nachkriegsbedingten politischen Änderungen auf politischer Seite und den damit verbunden Auswirkungen auf die Hochschulen als unzumutbar empfand und er für sich die Konsequenzen daraus zog. In seinem Demissionsschreiben an den Rektor der Leipziger Universität nannte er als Gründe, die restriktive Handhabung zur Gewährung von Dienstreisen zur Teilnahme an Kongressen.
J. Friedrich erschuf zahlreiche grundlegende Werke, die vornehmlich für den akademischen Unterricht gedacht waren, wie z.B. sein „Hethitisches Keilschrift – Lesebuch” oder seine „Kurzgefasste Grammatik” (Bd.I) und seine “Lesestücke in Transkription”. Auch sein „Hethitisches Wörterbuch“ (die erste Lieferung erschien 1952) war viele Jahre ein grundlegendes Handbuch der Hethitologie. Auch als Herausgeber der „Mitteilungen der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft” und Mitherausgeber der ZA (Zeitschrift für Assyriologie) - über viele Jahrzehnte - hat er sich große Verdienste erworben.
Auch durch eher populärwissenschaftliche Werke wie das Bändchen „Entzifferung verschollener Schriften und Sprachen” hat er positiv gewirkt und versucht einem größeren interessierten Kreis ein spannendes Thema fundiert näher zu bringen. Johannes Friedrich war u.a. Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, des Deutschen Archäologischen Instituts und Ehrenmitglied der Deutschen Orientgesellschaft.
Nach schwerer Krankheit starb Johannes Friedrich am 12.8. 1972.
Zu J. Friedrich siehe auch: Joachim Oelnser, 2007, Leipziger Altorientalistik 1936-1993, in: Das geistige Erfassen der Welt im Alten Orient, p. 316ff.