Ignace Jay Gelb
14. Oktober 1907 – 22. Dezember 1985
Ignace Gelb wurde in Tarnow in Polen geboren und vollendete auch dort seine Schullaufbahn. Er ging anschließend nach Florenz in Italien, um sich dort mit der Kunst der Renaissance zu befassen, wechselte aber bald nach Rom und begann bei bekannten italienischen Semitisten Levi della Vida Semitistik und altorientalische Sprachen zu studieren. MIt 21 Jahren promovierte Gelb in Rom und wurde 1929 von James Henry Breasted, dem Gründer des Oriental Institute of Chicago nach Chicago berufen, wo er die nächsten 56 Jahre tätig bleiben sollte.
Zu diesem Zeitpunkt war Gelb bereits intensiv an der Diskussion um die Entzifferung der hethitischen Hieroglyphen beteiligt und hatte 1930/1931 in AJSL 47, p. 135-213 unter dem Titel A few remarks on the hieroglyphic inscription from Byblos eine erste umfangreichere Untersuchung vorgelegt. Kurze Zeit später legte Gelb seine erste Monografie mit dem Titel Hittite Hieroglyphs I (SAOC 2, 1931) vor, ein Werk, dass die Forschung an diesem schwierigen Thema enorm beförderte. 1935 folgte der zweite und 1945 der dritte Band.
Auch in den folgenden Jahren war Gelb intensiv an der Erschließung der Quellen zum Hieroglyphen-Luwischen intensiv bemüht und legte mit (Inscriptions from Alishar and Vicinity, OIP 27, 1935) und Hittite Hieroglyphic Monuments (OIP 45, 1939) zwei Sammlungen hierogylyphen-luwischer Inschriften vor.
1939 wurde Gelb amerikanischer Staatsbürger und leistete von 1944-1946 seinen Dienst in der amerikanischen Armee am Einsatzort Deutschland ab. Er gehörte zum Stab des Office of Strategic Services und half nach dem Ende des Krieges, Material für die in Nürnberg anstehenden Prozesse gegen die verbliebene Führungsriege des Dritten Reiches zu beschaffen und den Prozess vorzubereiten.
Nach seiner Rückkehr in die USA half er mit das Großprojekt des Chicago Assyrian Dictionary wiederzubeleben und zu reorganisieren und arbeitet intensiv im Range eines Editor-in-Charge an diesem Projekt mit. In zahlreichen Publikatioen blieb er auch der Hethitologie, der Erforschung des Hieroglyphenluwischen erhalten. 1949 publizierte Gelb in OrNS 18, 1949, p. 68-72 The Word for Seal in Hieroglyphic Hittite und 1953 The Double Names of the Hittite Kings, in FS. Kowalski, p. 146–154.
1952 erschien das bekannteste Werk Gelbs in den USA A Study of Writing, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde und 1958 in Deutschland unter dem Titel Von der Keilschrift zum Alphabet. Grundlagen einer Sprachwissenschaft erschien. Die darin vertretene Theorie der Monogenese der Schrift im alten Orient und der daraus logischen Entstehung aller weiteren Schriftsysteme, ist seinerzeit heftig debattiert und angegriffen worden.
Ab 1960 befasste sich Gelb vor allem mit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte im Dritten vorchristlichen Jahrtausend in Mesopotamien und brach mit der These der reinen Tempelwirtschaft. Ihr gegenüber stellte Gelb die Bedeutung des Landbesitzes in "privater Hand" und den daraus folgenden privatwirtschaftlicher Ansatz.
Ignace Jay Gelb starb am 22. Dezember 1988 nach einer kurzen Krankheit an einer Lungenentzündung und Folgen einer Leukämie in Chicago.
Nachruf:
AfO 34, 1987, p. 249-251