Oliver Robert Gurney

28. Januar 1911 – 11. Januar 2001

 


Oliver R. Gurney entstammte einer alten englischen Quäkerfamilie und wurde am 28. Januar 1911 in Norfolk (GB) geboren. In den bekannten britischen Bildungseinrichtungen Eton und New College Oxford erhielt Gurney zunächst eine klassisch-philologische Ausbildung („Classics") und schloss diese im Jahr 1933 ab.


Zur Hethitologie brachte ihn schließlich sein bekannter Onkel mütterlicherseits, John Garstang, der sich von 1907 bis 1941 an der Universität Liverpool bereits ausführlich mit Fragen des Vorderen Orients und der Hethitologie befasste. John Garstang riet dem damals jungen Gurney, sich dieser neuen und noch im Entstehen begriffenen Disziplin zu widmen. Diesem Rat wohl folgend, befasste sich Gurney seit Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts mit hethitologischen Studien und wurde später der führende Fachvertreter Grossbritanniens für viele Jahrzehnte.


Im Wintersemester 1935/36 war Gurney zu Gast in Berlin, dem damaligen Zentrum der hethitologischen Forschung in Europa, um bei Hans Ehelolf, seinerzeit dort Kustos, seine hethitologischen Kenntnisse grundlegend zu erweitern. Seine fundierte philologische Ausbildung begann – wie bei vielen anderen Hethitologen jener Zeit – bei Ehelolf und dem dort versammelten Expertenkreis.


Nach seiner Rückkehr nach England wurde Gurney mit einer Arbeit (Hittite Prayer of Mursili II.) promoviert und nahm 1938/39 an einer Grabungskampagne seines Onkels J. Garstang im kilikischen Mersin teil und machte sich mit den grundlegenden Methoden archäologischer Feldarbeit vertraut.


Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterbrach für sechs lange Jahre die wissenschaftliche Arbeit Gurneys. Er meldete sich als Kriegsfreiwilliger und wurde im November 1939 zur „Royal Artillery“ eingezogen. Er kämpfte bei der „Sudan Defence Force“ im Sudan, aber auch in Eritrea und Abessinien.


Nach Beendigung des Krieges wurde ihm in Oxford die „Shillito Readership in Assyriology“ angeboten, die er nach einigen Zögern annahm und anschließend für 33 Jahre inne hatte. Dort, in dieser Funktion, begann eine reiche und lebenslange fruchtbare Schaffensperiode, die auf vielen Gebieten altorientalischer Forschungen ihre Früchte hervorbrachte. Im Jahre 1965 wurde Gurney seitens der Universität für seine Leistungen und Verdienste der Professorentitel verliehen.


Zu seinem wissenschaftlichen Werk gehörte gehörte u.a. auch die Textpublikation von assyrischen Tafeln, die im Besitz des British Museums sind und von Seton Lloyd in Sultantepe in den Jahren 1951/52 ausgegraben wurden. Neben vielen anderen Veröffentlichungen gehört das Buch The Hittites, dass nach seiner Ersterscheinung im Jahre 1952 zwei grundlegende Überarbeitungen erhielt, zu den wichtigsten und verbreitetsten Schriften Gurneys, die vielen interessierten Laien, aber auch Generationen von Studenten, eine stets willkommene Einführung zum Thema Hethiter boten.


O.R. Gurney war u.a. Fellow of the British Academy, Foreign Member of the Royal Danish Academy of Science and Letters, Honorary Doctorate of Higher Letters Chicago.


Er starb am 11. Januar 2001 kurz vor seinem 90. Geburtstag.


Nachruf:


Anatolian Studies 50, 2000, p. iii-iv


Schriftenverzeichnis demnächst.