Bedrich Hrozny
6. Mai 1879 – 12. Dezember 1952
Bedrich Hrozny wurde am 6. Mai 1879 im böhmischen Lissa geboren und wuchs als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Böhmen auf. Er kam bereits früh mit orientalischen Sprachen in Berührung und sein Interesse an der Philologie ganz allgemein sowie an der Geschichte des Alten Orients intensivierte er bereits als Gymnasiast. Nach dem Abitur immatrikulierte sich Hrozny an der Universität Wien, um dort evangelische Theologie und Orientalistik zu studieren. Schon nach kurzer Zeit aber konzentrierte er sich auf das Studium der altorientalischen Sprachen und Geschichte. Nach erfolgreicher Promotion an der Universität Wien ging Hrozny nach Berlin und London, um seine Studien vor allem an bis dahin unpublizierten assyrischen Texten zu vertiefen. 1902 kehrte er dann nach Wien zurück und arbeitete bis 1918, mit kleinen Unterbrechungen, als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Wien, wobei er auch Vorlesungen über semitische Sprachen hielt. 1914 sandte ihn die Deutsche Orientgesellschaft zusammen mit Heinrich Figulla nach Konstantinopel, um dort die bisher nicht erschlossenen hethitischen Texte zu kopieren und aufzuarbeiten. Die dort gemachten Notizen und Abschriften nutzte Hrozny während des Ersten Weltkrieges zur intensiven Erforschung des Hethitischen. Es gelang ihm mit kombinatorischen und etymologischen Vergleichen das Hethitische zu erschließen und den indogermansichen Charakter der Sprache zu erweisen.
Seine Ergebnisse legte Hrozny 1915 in dem Bericht „Die Lösung des hethitischen Problems" (MDOG 56, 1915, p. 17-50) vor. Ausführlicher und umfangreicher gestaltete sich seine zweite Publikation zum Hethitischen, die 1917 unter dem Titel „Die Sprache der Hethiter, ihr Bau und ihre Zugehörigkeit zum indogermanischen Sprachstamm. Ein Entzifferungsversuch, erschien.(BoSt. 1, 2/1, Leipzig 1917). Hrozny identifizierte Sprachstrukturen und Bedeutungen durch den intuitiven Sprachvergleich und die Etymologie. Der berühmteste Satz der Hethitologie, der diese Methodik verdeutlicht, lautet nu NINDA-an ezzateni watarma ekuteni und veranschaulicht, wie Hrozny den Einstieg in die Erschließung des Hethitischen gelang. Da die sumerischen Ideogramme bekannt waren, wusste Hrozny, dass hier von Brot die Rede war (NINDA). Er kombinierte, was man mit Brot normalerweise macht, nämlich essen und schloss dass folgende ezzateni an bekannte indogermanische Wurzeln ein, die in den Einzelsprachen gut belegt sind. Heth. ezzateni, lateinisch edere, auch deutsch essen etc. Danach fiel ihm das Wort watar im zweiten Teil des Satzes auf, dass sehr an Bekanntes wie engl. water, deutsch Wasser anklang. Was aber macht man mit Wasser; man trinkt es. Die musste das folgende Verbum eku- sein, dass auch die gleiche Endung wie ezzateni aufwies. Somit war der Satz entschlüsselt.; "Brot werdet ihr essen, Wasser aber werdet ihr trinken."
Hrozny arbeitete bis zu seinem Tode am 12. Dezember 1952 intensiv an vielen zentralen Aufgaben der Hethitologie mit und half diese neue Disziplin zu etablieren. Er unternahm Ausgrabungen in Kleinasien (Alaca- Hüyük) und Syrien, arbeitete an der Entschlüsselung des Hieroglyphen-Hethitischen und edierte Textausgaben.
Auch in der Ahhijawa-Frage hatte Hrozny zeitweilig mit eigenen Ansätzen eingegriffen. Er vermutete zunächst, dass dieses in den hethitischen Texten genannte Land die griechische Insel Rhodos sei, nahm aber bald wieder Abstand von dieser Lokalisierung. Sein Forschungsansatz war stets auf die Zusammenführung der zahlreichen Einzelergebnisse aus verschiedenen Teildisziplinen zu einem Gesamtbild des Alten Orients ausgerichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Hrozny an die Karls-Universität Prag berufen, wo er in den nächsten Jahrzehnten die Altorientalistik etablierte sowie mit der Fachzeitschrift Archiv Orientalni ein wichtiges Publikationsorgan ins Leben rief. Hrozny wurde durch die Ehrendoktorwürden der Pariser Sorbonne sowie der Universitäten Oslo und Sofia für sein wissenschaftliches Werk gewürdigt. Nach langer Krankheit und nach einem neun monatigen Krankenhausaufenthalt verstarb Bedrich Hrozny am 12. Dezember 1952 in Prag.