Annelies Kammenhuber
19. März 1922 – 24. Dezember 1995
Annelies Kammenhuber wurde am 19.03.1922 in Hamburg als Tochter eines Schlossermeisters geboren. Auch ihre schulische Laufbahn vollzog sich in ihrer Heimatstadt Hamburg, die sie mit dem Abitur abschloss. Nach einem kurzen "Arbeitseinsatz" während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland nahm sie unter den schwierigen Kriegsbedingungen in Hamburg ihr breit gefächertes Studium der Anglistik, Romanistik, Altphilologie, Indologie, Philosophie und Indogermanistik auf. Zwischen 1940 und 1950 studierte sie an den Universitäten Hamburg und München. Zu ihren akademischen Lehrern gehörten u.a. W. Wüst, W. Schubring, F. Sommer und E. Fraenkel.
Zum Sommersemester 1946 wechselte sie endgültig nach München an das dortige sprachwissenschaftliche Seminar und half dort das im Kriege stark zerstörte Seminar wieder mit aufzubauen. In München traf sie auch den akademischen Lehrer, der für ihr zukünftiges Hauptbetätigungsfeld richtungsweisend sein sollte- Ferdinand Sommer. Durch Ferdinand Sommer kam sie mit der damals noch jungen Disziplin der Hethitologie in Berührung. Sie promovierte 1950 bei F. Sommer mit einer von ihm angeregten Arbeit zum hethitischen Infinitiv (Studien zum hethitischen Infinitivsystem I-IV, MIO 2-4 (1954-1956).
Die altanatolischen Sprachen und die ein weit gefächertes Themenspektrum der Hethitologie waren von nun an Gegenstand ihrer Forschungen und Publikationen. 1958 habilitierte während ihrer Assistentenzeit in München mit einem Thema aus der Iranistik (unveröff. „Studien zum ältesten Videvdat, Bd. I: Fargard 3 und die Totenvorstellungen und „Hunde-Magie” im Videvdat”). Sie erhielt die Venia legendi für Indogermanische Sprachen des Alten Orients. Im Jahre 1958 wurde sie Privatdozentin und 1960 erhielt sie eine Diätendozentur.
Auf Vorschlag von E. Benveniste und E. Laroche wurde sie 1959 Mitglied der Société de Linguistique de Paris gewählt. Ihr wissenschaftliches Betätigungs- und Publikationsfeld beschränkte sich aber nicht auf die idg. Sprachen des Alten Orients, sondern erstreckte sich auch auf die nicht-indogermanischen Sprachen wie das Hattische und Hurritische.
1964 bekleidete sie eine außerplanmäßige Professur und 1966 erfolgte die Ernennung zur Wissenschaftlichen Rätin in München.
1968 erhielt den Ruf als Extraordinaria an das Pontificio Instituo Biblico in Rom.
1969 erfolgte die Ernennung als Professorin an das seinerzeit neu begründete Institut für Assyriologie und Hethitologie in München und dort wirkte sie als Leiterin der Abteilung Hethitologie, wo sie bis zu ihrer Emeritierung im Winter 1986/1987 arbeitete.
Annelies Kammenhubers weist umfassende Publikationsliste auf, wie man den Bibliographien in ihrer Festschrift, Or. 52(1983) p. 5-13 und in den „Kleinen Schriften zum Altanatolischen und Indogermanischen, 1993 feststellen kann. Dazu zählen auch grundlegende Arbeiten wie ihr Beitrag zum Handbuch der Orientalistik „Hethitisch, Palaisch, Luwisch und Hieroglyphenluwisch´(HdOr. 1 Abt., 2 Bd. 1-2 Abschn. Lieferung 2, 1969, oder ihr lexikalische Forschung zum “Hethitischen Wörterbuch”. Bis zu ihrem Tode lagen die Bände A-E, sowie die Lieferungen 11-12 von Band H vor. Ihr Ziel war es mit den Bänden I – K Anschluß an das Chicago Hittite Dictionary zu finden.
Annelies Kammenhuber starb am heiligen Abend 1995 in ihrem 74. Lebensjahr.