Benno Landsberger

21. April 1890 – 26. April 1968

 

Benno Landsberger wurde am 21. April 1890 in Friedek im damaligen Österreichisch-Schlesien als Sohn des Industriellen Leopold Landsberger und seiner Frau Hedwig (geb. Hitschmann) geboren. In seiner Heimatstadt besuchte Landsberger das Gymnasium und begann 1908 an der Universität seiner Heimatstadt sein Studium. Denn in diesen Jahren war Leipzig neben Berlin das führende Zentrum der deutschen Orientalistik. Er traf dort auf Heinrich Zimmern (Assyriologie) und August Fischer (Arabistik), die zu seinen prägenden akademischen Lehrer werden sollten.


1914 schloss Landsberger sein Studium ab und promovierte in Leipzig bei H. Zimmern („Der kultische Kalender der Babylonier und Assyrer“). Schon vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges begab sich Landsberger nach London und vertiefte dort seine Kenntnisse anhand dort befindlicher Originaltafeln. Mit Ausbruch des Krieges 1914 diente er in der k.u.k. Armee an der Ostfront, wo er 1916 verwundet wurde. 1918 erhielt Landsberger für seine Leistungen und Verdienste das Goldene Verdienstkreuz. Das Kriegsende erlebte der damals 28 jährige Soldat in der Ukraine und wie H.G. Güterbocks (AfO 22, 1968, p. 203) zu entnehmen ist, diente diese Episode einschließlich der glücklichen Rückführung seines Truppenteils nach Ostpreußen ein beliebtes Thema seiner erzählten Erinnerungen.


Nach seiner Rückkehr aus dem Kriege habilitierte sich der der nunmehr dreißigjährige Landsberger in Leipzig, wo immer noch seiner Lehrer H. Zimmern den Lehrstuhl innehatte. 1926 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor und im Herbst 1928 folgte Benno Landsberger einem Ruf an die Universität Marburg, um die Nachfolge Peter Jensens anzutreten. Aber bereits ein Jahr später, 1929, wurde Zimmern emeritiert und Landsberger kehrte als dessen Nachfolger nach Leipzig zurück.


Im Zuge der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland wurde Landsberger 1935 aufgrund seines jüdischen Glaubens aus den Universitätsdiensten entlassen.

Zu jener Zeit wurde auf Initiative des türkischen Staatsgründer Kemal Pascha Atatürk in Ankara eine geisteswissenschaftliche Fakultät gegründet, die sich in besonderer Weise um die Frühgeschichte des Landes bemühen und daher die wichtigsten Fächer zur Erforschung des Alten Orients beinhalten sollte. Für die Besetzung der Stellen zogen die türkischen Behörden insbesondere deutsche Gelehrte heran, die im Zuge des nationalsozialistischen Regimes Opfer entlassen worden waren, ähnlich wie bei der Neuorganisation der Instanbuler Universität 1933. Landsberger war unter den ersten und bei weitem bedeutendste Gelehrte, der bei der Eröffnung im Dezember 1935 die Arbeit aufnahmen Entscheidend wirkte Landsberger beim Aufbau der neuen Fakultätsstrukturen mit (Fakultät für Sprachen, Geschichte und Geographie = Dil ve Tarih-Cografya Fakültesi ), die nach deutschem System organisiert wurden. Auch hatte Benno Landsberger entscheidenden Anteil daran, dass durch den Erwerb der nachgelassenen Bibliothek Zimmerns der Grundstock zu einer arbeitsfähigen Bibliothek gelegt werden konnte.


Nach dem Zweiten Weltkriege wurde Benno Landsberger an das Oriental Institute der University of Chicago berufen, wo er bis 1955 tätig war. Auch nach seiner Emeritierung blieb er bis zu seinem Tode 1968 aktives Mitglied des Institutes, was vor allem die redaktionelle Arbeit am Chicago Assyrian Dictionary betraf.


Benno Landsberger hat im Laufe seines Lebens zahlreiche Ehrungen entgegennehmen können.


1941 Ehrenmitglied der American Oriental Society

1951 Wahl zum Mitglied der American Philosophical Society

1956 Wahl zum ordentlichen Mitglied des Deutschen Archäologischen Institutes

1957 Verleihung der Ehrendoktorwürde des Dropsie College in Philadelphia

1958 Wahl zum Ehrenmitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.

Ehrenmitglied der Société Asiatique

Korrespondierendes Mitglied der British Academy, der kgl. Dänischen Akademie und der Finnischen Akademie der Wissenschaften.


Benno Landesberger war ein Gelehrter von internationalem Rang und Gewicht, versehen mit einer außerordentlichen sprachlichen Begabung und einem wohl phänomenalen Gedächtnis, dass, wie H.G. Güterbock in seinem Nachruf hervorhob, ihn zeitlebens ohne eigene Zettelsammlungen auszukommen ließ. Eines einer Hobbies war die Musik und hier insbesondere das Klavierspiel, das er ebenfalls vortrefflich beherrschte. In der Zeit der Emigration war in soweit politisch engagiert, als er sowohl in der Türkei als auch in zahlreichen anderen internationalen Komitees sich um das Wohl derjenigen Gelehrten kümmerte, die ebenso wie er selbst, durch das NS-Regime verfolgt wurden und zur Emigration gezwungen waren. Nach dem Kriege nahm Landsberger aufgrund seiner schmerzlichen persönlichen Erfahrungen mit Stolz die amerikanische Staatsbürgerschaft an.


Kurz nach Vollendung seines 78. Lebensjahres starb Benno Landsberger am 26.April.1968 nach kurzer, schwerer Krankheit in Chicago.