Emmanuel Laroche
11. Juli 1914 – 16. Juni 1991
Emmanuel Laroche wurde im französischen Clamart/Seine geboren Nach dem Abschluss der höheren Schule begann Laroche 1936 an der Pariser Sorbonne das Studium der klassischen Sprachen Latein und Griechisch sowie der Allgemeinen und Vergleichenden Sprachwissenschaften. Seine Studien schloss er 1939 mit dem Diplome d'Etudes Supérieures ab.
Statt der Fortsetzung seiner Universitätskarriere musste Laroche wie so viele Männer während des Zweiten Weltkrieges seiner Generation einen zweijährigen Militärdienst leisten, der nach der Niederlage der französischen Armee im Sommer 1940 endete.
Ab Herbst 1940 nahm er eine Tätigkeit als Professeur au lycee in Chartres auf. 1942 ging er nach Nancy, da ihm dort die Möglichkeit geboten wurde als Assistant en langue classique an der dortigen Faculté des Lettres wissenschaftlich auf seinen Gebieten zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Laroche bereits intensiver mit den Sprachen Altkleinasiens beschäftigt und offenbar umfangreicher Sammlungen angelegt, die später in veröffentlichter Form so etwas wie sein Markenzeichen werden sollten.
Nach dem Kriege wurde Emmanuel Laroche an die traditionsreiche Universität Strasbourg als Professeur de Linguistique generale et grammaire compareé berufen und seine sehr produktive und ertragreiche Forschungsperiode nahm ihren Anfang.
Schon die ersten Arbeiten zeigten seine Meisterschaft in der profunden und wertvollen Zusammenstellung allgemeiner Übersichten und Kompendien, die vor allem in der Altanatolistik über viele Jahrzehnte und zum Teil bis heute zum alltäglichen Handwerkszeug der Forscher gehören. 1947 erschien Laroches État actueil de la linguistique asianique sowie Hattic Deities and their Epithets, gefolgt von Untersuchungen zum hurritischen Pantheon, Tessub, Hebat et leur coeur. All diese Untersuchungen mündeten noch 1947 in dem bis heute wichtigen Standardwerk der Hethitologie Recherches sur les noms des dieux hittites. Auch in der Folgezeit erarbeitete Laroche, auf vermutlich jahrelang konzipierten und vervollständigten Sammlungen aufbauend, weitere Handbücher. Sein zunächst 1952 publiziertes Recueil d'onomastique hittites erschien erheblich erweitert und überarbeitet als Les noms des Hittites. Laroche gab darin nicht nur einen wertvollen Katalog der im Textmaterial belegten Namen, übrigens auch Material, dass nicht nur aus Boghazköi stammte, sondern er behandelte auch Etymologie und Struktur der Namen.
Ein wichtiges Betätigungsfeld Laroches in den 1950er Jahren stellte das Luwische dar und diese Periode krönte er mit dem 1959 erschienenen Dictionnaire de la langue louvite, in dem nicht nur das bis dahin bezeugte Wortmaterial vorlegte sondern auch eine grammatische Skizze des Luwischen bot. Untrennbar mit dem Namen Laroches ist in der Hethitologie das in den 1950er Jahren begonnene und 1971 erschienene Werk Catalogue des textes hittites, welches das bis dahin edierte und teilweise unveröffentlichte Material nach Inhaltsgruppen und Genres sortierte; es verzeichnete Anschlüsse, Duplikate und ordnete das Gesamtmaterial in trefflicher Weise. Seit seinem Erscheinen gehört das CTH zum unverzichtbaren Bestandteil hethitologischer Arbeit gehört. Zu diesem Werk hat Laroche in der Folgezeit noch selbst Ergänzungen in RHA vorgenommen und mit dem Fortschreiten der Edition hethitischer Texte sein Werk aktualisiert.
Abschließend legte Laroche 1980 ein weiteres Handbuch vor, das ein weiteres Mal seine Meisterschaft in der Edition grundlegender Zusammenfassungen dokumentierte, das Glossaire de la langue hourrite.
Darüber hinaus hat Laroche in zahlreichen Aufsätzen die Altanatolistik und seine benachbarten Disziplinen auf vielen Gebieten vorangebracht, seien es seine indogermanischen Betrachtungen der altkleinasiatischen Sprachen bis hin zum Lykischen, seien es seine Beiträge zu Ras Shamra oder Meskene. In besonderer Weise ist der Name Emmanuel Laroches mit der seinerzeit unerwarteten und überraschenden Feststellung eines Königs Suppiluliuma II in den hethitischen Texten verbunden, die er in RA 47, 1953, der wissenschaftlichen Welt publik machte. Er eröffnete somit eine grundlegende Debatte um die Datierung später Text aus der Hethiterhauptstadt sowie für die späthethitische Geschichte generell.
Laroche befasste sich in seiner langen Karriere mit der ganzen Bandbreite des Faches von historischen, philologischen Fragestellungen über die Epigraphik bis hin zu den hieroglyphen-luwischen Inschriften und der Deutung und Systematisierung der Glypen-Zeichen. Innerhalb seiner spezialisierrten Disziplin war er ein „Allrounder“.
Seine zahlreichen Berufungen und Wirkungsfelder, Ernennungen und Ehrungen unterstreichen seine Bedeutung als Schwergewicht der europäischen Wissenschaft. 1953 wurde er als Directeur d'études à l'école pratique des Hautes Études nach Paris berufen, erhielt die Auszeichnung als Officier des Palmes Académiques. Von 1965 leitete das Französische Archäologische Institut in Istanbul. 1972 erfolgte die Ernennung zum Membre de l'institut, Académie des Inscriptions et Belles Lettres. 1973 erfolgte die Berufung als Professeur au Collège de France. Darüber hinaus war er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Zu seinem 65. Geburtstag am 11. Juli 1979 wurde Laroche mit der Festgabe Florilegium Anatolicum von seinen Fachkollegen aus aller Welt geehrt.
Nach längerer Krankheit verstarb Laroche am 16. Juni 1991.
Nachrufe:
Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 142. Jahrgang, 1991/92 , p. 499 - 504 (H. Otten)
SMEA 29, 1992, p. 9-11 (O. Carruba)
Hethitica 12, p 5-6, (René Lebrun)