Tahsin Özgüc

20. März 1916 – 28. Oktober 2005

 

Tahsin Özgüc wurde im heute bulgarischen Kardzali (Region Chaskovo) als Sohn ein lokalen Bauern- und Händlerfamilie geboren. Nach Abschluss seiner Schulausbildung begann Özgüc 1935 an der soeben gegründeten Universität Ankara, noch bevor das zentrale Institut für Sprachen und Geographie Anatoliens Dil ve Tarih-Cografya Fakültesi am 9. Januar 1936 seine Arbeit aufnahm.

Tahsin Özgüc entschied sich die die Geschichte und Archäologie Altanatoliens zu studieren und gehörte zusammen Nimet Dincer, die ab 1940 seit Frau Özgüc heißen sollte, zur ersten türkischen Studentengeneration dieses renommierten Institutes.


Aufgrund der erzwungenen Emigration zahlreicher Fachgrößen in die Türkei nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland, erhielt die Universität Ankara führende Gelehrte Deutschlands, die die erste Studentengeneration prägten. Mit Hans Gustav Güterbock und Benno Landsberger lebte die Leipziger Schule in den philologischen Disziplinen in Ankara fort. Die archäologische Seite wurde von Hans Henning von der Osten vertreten, der in den Jahren zuvor in Diensten des Oriental Institute von Chicago die Grabungen in Alisar Höyük durchgeführt hatte. Damit sind auch die wichtigsten akademischen Lehrer Özgücs, vor allem von der Osten genannt.


Als wissenschaftliche Hilfskraft nahm er bereits 1940 und 41 mit seiner Frau an Grabungen in der Schwarzmeer-Region um Samsun teil Bei Kavak und Tekeköy machte Özgüc erste Erfahrungen mit siedlungsgeschichtlichen Sondeirungen, die vom Chalkolithikum bis zur Hethiterzeit reichten.


Nach dem erfolgreichen beendeten Studium und Ableistung seiner Wehrdienstzeit wurde Tahsin Özgüc 1945 zunächst als Assistent und ein Jahr später als Dozent der archäologischen Abteilung in Ankara angestellt. !947 habilitierte sich Özgüc. Die deutsche Fassung seiner Arbeit erschien 1948 unter dem Titel Die Bestattungsbräuche im vorgeschichtlichen Anatolien und bietet einen für seine Zeit umfassenden Überblick über die Fundorte, Grabformen und Grabsitten Altanatoliens.


1954 wurde Özgüc zum ordentlichen Professor an der Universität Ankara ernannt, der er zeitweilig auch als Rektor vorstand. Seine Integrität und sein hohes Ansehen in der wissenschaftlichen Welt brachten ihm die Berufung in die Yüksek Ögretim Kurulu ein, der er von 1982 bis zu seiner Emeritierung 1988 angehörte und die eine die Reform des türkischen Bildungswesen betrieb.


Seit 1948 aber ist der Name Tahsin Özgücs untrennbar mit den Ausgrabungen in Kültepe (Karahöyük) verbunden, das schon Benno Landsberger 1925 mit dem Ort Karum Kanis, dem Ort der altassyrischen Handelskolonien identifizieren konnte. Dieser für Altanatolien wichtige Ort, mit seinen zahlreichen Funden an Keilschrifttafeln, Keramik  sowie Kunst- und Metallfunden, wurde über viele Jahrzehnte von Tahsin Özgüc wissenschaftlich erforscht und die Ergebnisse seiner Arbeiten regelmässig publiziert.


Tahsin Özgüc gilt zurecht als der Nestor der Vorderasiatischen Archäologie der Türkei und erhielt zahlreiche Anerkennungen und Auszeichnungen. So wurde er 1962-1963 als Gastprofessor nach Princeton sowie 1964 an die Universität des Saarlandes berufen. 1975/76 sowie 1978/79 folgten Gastprofessuren an der Universität München. Özgüc war seit 1954 Mitglied des Deutschen Archäologischen Institutes, seit 1969 Mitglied der British Academy, seit 1978 der Society of Antiquarian Studies in London. !976 erfolgte die Mitgliedschaft i, American Institute of Archaeology. Außerdem war er Mitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften sowie der Türkischen Akademie der Wissenschaften. Auch wurde er im Laufe seiner Karriere mit drei Ehrendoktortiteln gewürdigt: München (1980), Gent (1989) und Berlin (2001)