Arnold Friedrich Walther
31. Mai 1880 – 18. Mai 1938
Arnold Walther wurde 1880 in der Hansestadt Hamburg geboren und wuchs in einem typisch hanseatisch gesprägten, konservativen und großbürgerlichem Umfeld auf. Über seine Jugendjahre ist wenig bekannt. Am berühmten Hamburger Johaneum, der Gelehrtenschule Hamburgs schloss er seine schulische Laufbahn mit dem Abitur ab. Von 1899 bis 1903 studierte er an den Universitäten von halle, Rostock und Marburg Theologie sowie semitische Sprachen. Im Jahre 1904 schloss er mit dem theologischen Examen seine Studienjahre ab, um ab 1906 als Hilfsprediger in und um Hamburg zu wirken
Von dieser Tätigkeit geistig wenig ausgelastet und auch ein wenig desillusioniert beschloss Walther wieder an die Universität zurückzukehren und sich den geliebten orientalistischen Studien zu widmen. Er ging nach Leipzig zu Heinrich Zimmern, einem der damals bedeutenden Zentren der Orientalistik in Deutschland und betrieb intensiv die Altorientalistik. 1914 schloss er erneut diese Studien mit einer Promotionsarbeit ab, die in einen Nachruf von Weidner als einer glänzendsten Arbeiten der damaligen „Leipziger Schule“ gewertet wurde. Das Thema lautete „Das altbabylonische Gerichtswesen“.
1914 wurde Walther, wie viele seiner Altersgenossen Soldat in der kaiserlichen Armee und diente vier Jahre vornehmlich in der Deutschen Orientarmee als Übersetzer für Arabisch und fand Verwendung als Nachrichtendienstler. Seine Einsatzgebiete waren der Nahen Osten und insbesondere das Staatsgebiet des damaligen Osmanischen Reiches. Mit der Niederlage der deutschen Truppen und der Demobilisierung hundertausender Soldaten gelangte Walther 1918 zurück nach Berlin.
Ab hier werden die Zeiten und die biographischen Angaben aus verschiedenen Archiven wage. Klar ist, dass Walther kurz nach dem Kriege wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Vorderasiatischen Abteilung der Berliner Museen wurde. Er machte sich dort schnell einen Namen ob seiner Akribie beim Kopieren von Tafeln und seiner Genauigkeit bei der Herstellung von Autographien. Auch sein fundiertes Wissen um den Alten Orient und seiner vielen Teilgebiete machten ihn bald zu einem geförderten Mitarbeiter im Stabe des Kustoden Otto Weber. Zusammen mit den ebenfalls am Museum arbeitenden Kollegen, Emil Forrer, Ernst Weidner und Hans Ehelolf gehörte er zum Kern derer, die sich der Herausgabe und Aufarbeitung der Boghazköi-Texte widmeten.
Die Hauptaufgabe Walthers bestand vor allem in der Publikationstätigkeit der hethitischen Texte, die so reichlich aus den Grabungen 1906/7 und 1912/13 hervorgegangen waren. Insgesamt sechs KUB-Mappen stammen aus seiner Feder, darunter auch die recht schwierigen Omentexte. Auf diesem Gebiet wurde Walther schnell ein stiller Fachmann, der nebenher allerdings stets der Assyriologie eng verbunden blieb.
Im Jahre 1930 unterbreitete ihm daher das expandierende Oriental-Institue eine lukratives Angebot als Editorial Assistant des CAD (Chicago Assyrian Dictionary)-Projektes. Die Verhandlungen zwischen dem OI und Walther dauerten nur kurz und man wurde sich sehr schnell über die Kompetenzen, das Salär und die Aufgabenstellungen einig.
Zunächst wurde ein „One-Year-Contract" geschlossen, allerdings war darin schon die Option einer Weiterbeschäftigung angedeutet. Nach einigen Visaschwierigkeiten, die von amerikanischer Seite mit der fehlenden Lehrerfahrung und ausschließlichen Forschungserfahrung Walthers begründet wurden, gelang die Übersiedlung Walthers dann doch recht schnell. Das OI hatte an den damaligen Konsul in Berlin geschrieben und sich für Walther eingesetzt, so dass letztendlich ein Visum erteilt wurde. Im November 1930 hatte er dann alle Vorbereitungen für die Übersiedlung in die USA abgeschlossen und reiste mit dem Dampfer „Albert Ballin" von Hamburg nach New York".
Schon nach nur knapp einjähriger Tätigkeit in Chicago wurde Walther am 02.06. 1932 als Associate Professor for Hittite beim OI geführt. Dies hing auch unmittelbar mit dem Ende des Engagements Forrers als Associate Professor in Chicago zusammen. Forrer gratulierte seinem Nachfolger zu dessen Berufung brieflich. Walther hatte bald einen so guten Stand im Gefüge des Oriental Institue, dass auch seinem Wissen, seiner akribischen und ruhigen Art zu Verdanken war, dass seine einjährigen Verträge, die jedes Jahr zur Verlängerung anstanden, problemlos weiterliefen. Schnell wurde er auch zur koordinierenden Figur im Forschungsbetrieb, was auch das CAD-Projekt einschloss. Hier arbeitete er an der Seite wie Chiera und Poebel. Walthers Wissen und seine menschliche Art halfen ihm zu einem allseits angesehenen und geschätzten Mitarbeiter am OI zu werden.
Im Jahre 1934 hatte Walther einen schweren Unfall, als er als Fußgänger von einem Auto erfasst und verletzt wurde. Die Umstände dieses Unfalls ließen sich nicht rekonstruieren, da Walther keinerlei Erinnerung an den Unfall hatte und unter partieller Amnesie litt so dass der Hergang und die Umstände im Dunkeln blieben. Der medizinische Abschlussbericht in den Archiven des OI schließt: „How he ever survived and the accident happend...it is a mystery".
Walther erlitt schwere Kopfverletzungen und zahlreiche Brüche. Er lag zeitweise auch im Koma. Er erholte sich zwar von den unmittelbaren Verletzungen, sein gesamtgesundheitlicher Zustand aber war und blieb von nun an angegriffen.
Seine Forschungen nahm er wieder auf und unterrichtete neben Hethitisch auch Akkadisch, Assyrisch und Koptisch am Institut. Auch seine Mitarbeit am CAD führte er weiter fort. Kurz vor seinem 58. Geburtstag fand eine Nachbarin Walther tot an seinem Schreibtisch sitzend in seinem Appartement auf. Die Todesumstände wurden untersucht und es teilte sich heraus, dass Walther an Herzversagen verstarb.
Arnold Walther war nicht verheiratet und hatte keine Kinder.
Nachruf
AfO 13, 1939, p. 311