Einar von Schuler
28. Oktober 1930 – 14. Februar 1990
Einar von Schuler wurde in Leipzig geboren und ist dort auch aufgewachsen. Seine schulische Ausbildung vollzog er am bekannten und traditionsreichen Thomas-Gymnasium in Leipzig. Nach dem Abitur begann er sein altorientalisches Studium an seinem Heimatort bei Johannes Friedrich, der ihn speziell zur Hethitologie führte. Nach zwei Semestern wechselte zusammen mit seinem akademischen Lehrer an die soeben gegründete freie Universität Berlin.
1954 wurde Einar von Schuler mit einer Dissertation über Hethtitische Dienstanweisungen für höhere Hof- und Staatsbeamte promoviert, einer Arbeit, die mit ihrem rechtsgeschichtlichen Schwerpunkt ganz in der Tradition der Leipziger Schule stand. Um seine altorientalische Ausbildung zu vervollkommnen ging er - ausgestattet mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu Adam Falkenstein nach Heidelberg, wo er sich intensiv mit dem Akkadischen und Sumerischen befasste. 1957 wechselte von Schuler auf die Assistentenstelle des Lehrstuhl für Geschichte und Kultur des alten Orients in Münster. Bis dahin hatte von Schuler in der ZDMG 105 1955, p. 43–53 Zu den hethitischen Beamteninstruktionen und in Or 25 (1956), p. 209 –240 mit einem weiteren rechtsgeschichtlichen Beitrag, Die Würdenträgereide des Arnuwanda auf sich aufmerksam gemacht.
Aber auch in der Tradition Friedrichs stehend, betrachte von Schuler stets auch die nichtindogermansichen Sprachen des alten Anatolien, vor allem das Hurritische aber auch das Urartäische. So publizierte er in ZA 53 (1959), p. 185-192 einen bemerkenswerten Aufsatz Zur Partikel -maku in barbarisiertem Akkadisch und 1961 in RHA 19, fasc. 68, p. 19–23 Hurritische Nomina actoris. Während seiner Münsteraner Assistentenzeit erschienen aber so grundlegende Arbeiten wie Kleinasien. Die Mythologie der Hethiter und Hurriter , in: W. Haussig (ed.) Wörterbuch der Mythologie (1. Abt., Band 1, 1965, p. 141–215).
1961 kehrte von Schuler wieder nach Berlin zurück und habilitierte sich dort mit Arbeit Die Kaskäer. Ein Beitrag zur Etnographie des Alten Kleinasien. 1963 folgte er Johannes Friedrich auf den Lehrstuhl für Altorientalische Philologie der Feien Universität Berlin. In der Lehrer vertrat Einar von Schuler die gesamte Bandbreite der Altorientalistik von Hurritologie, Akkadistik und der Urartologie und vermittelte den Kulturraum des Alten Orients, geprägt von der gemeinsamen keilschriftlichen Überlieferung. Die Berliner Jahre waren aber auch geprägt von dem großen Projekt, das Einar von Schuler ins Leben gerufen hat, nämlich die Gründung des Corpus der hurritischen Sprachdenkmäler, das später von seinen Schülern fortgeführt wurde.
Auch in organisatorischer Hinsicht zeigt sich die Schaffenskraft Einar von Schulers. Er hatte seinen Anteil an dem Zustandekommen der ersten neuen Grabungen der Deutschen Orientgesellschaft in Habuba Kabira und Tall Munbaqa und als der ausersehene Grabungsleiter Ernst Heinrich 1969 erkrankte übernahm Einar von Schuler die Leitung der Mission. 1969 publizierte er den bis heute sehr wichtigen und aktuellen Beitrag Beziehungen zwischen Syrien und Anatolien in der Späten Bronzezeit ins M. Liverani (ed.) La Siria nel Tardo Bronzo, OAC 9, Rom, der einmal mehr sein tiefes Verständnis vom Alten Orient in all seinen verschiedenen Disziplinen Zusammenhängen veranschaulicht.
1974 folgte von Schuler dem Ruf auf den Lehrstuhl für Orientalische Philologie der Universität Würzburg, in der Nachfolge von Wilhelm Eilers. Aufgrund einer schweren Herzerkrankung musste Einar von Schule 1987 um die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand bitten. Am 14. Februar 1990 verstarb einer Einar von Schuler.
Nachrufe:
AfO 37, 1990, p.200–201 (G. Wilhelm)
Orientalia 59/2, 1990, p. 103 –106 ( M. Marazzi und G. Wilhelm)